Der Nil ist der längste Fluss der Welt, ca. 6.500 Kilometer fließt er von Ostafkrika gen Norden zum Mittelmeer. Studien haben gezeigt, dass der Fluss (die Ägypter nannten ihn Iteu, was einfach Fluss bedeuted) über Millionen von Jahren allmählich seine Lage und Größe verändert hat. Der Nil fließt aus den Bergen im Süden zum Mittelmeer im Norden. Ägypter, die andere Länder bereisten, kommentieren oftmals den „falschen“ Fluss der großen Ströme. So zeigt z.B. ein Text von Tuthmoses I. in Nubia, wie er den großen Fluss Euphrat als „verkehrt herum fließendes Wasser, das flussabwärts statt aufwärts strömt“ bezeichnet.
Drei Zuflüsse mündeten schon damals vom Süden in den Nil und nährten ihn: der Blaue Nil, der Weiße Nil und der Atbara. Im südlichen Abschnitt zwischen Assuan und Khartum, dem einstigen Land Nubien, fließt der Nil durch harte, magamatische Gesteinsformationen und schließlich muss er einige Stromschnellen, die Kataraks, überwinden, die eine natürliche Grenze zum Süden bilden. Zwischen dem ersten und zweiten Katarakt liegt Unternubien und zwischen dem zweiten und sechsten Obernubien.
Über einen Großteil seines Verlaufs durch
Ägypten hat der Nil eine tiefe, weite Rinne im
Wüstenplateau ausgebildet. Bei Assuan, nördlich
des ersten Katarakt ist der Nil tiefer und seine Öberfläche
ist glatter. Von Assuan aus fließt der Nil nördlich
weiter nach Armant und nimmt schließlich eine
scharfe Biegung, die Qeng genannt wird. Der Abschnitt
von Armant bis Hu verläuft über 180 km und
unterteilt das enge südliche vom weiteren nördlichen
Tal.
Südägypten wird, weil ja stromaufwärts
gelegen, Oberägypten und Nordägypten, weil
stromabwärts gelegen, Unterägypten genannt.
Zusätzlich zum Flusstal und dem Delta unterteilt
der Nil Ägypten ebenfalls in die östlichen
und westlichen Wüstengebiete.
Das Niltal ist eine Schlucht, die
über knapp 1.000 km verlauft, mit Auen, die eine
Fläche von rund 6.800
qkm bedecken. Das Nildelta breitet sich über
gute 13.500 qkm aus und ist in den Küstenbereichen
von Lagunen, Feuchtgebieten, Seen und Dünen gesäumt.
Das Delta präsentierte 63%
der unbewohnten Fläche Ägyptens, mit einer
Ausdehnung von ca. 200 km von Süd nach Nord und
ca. 400 km von Ost nach
West. Während heute der Nil nur über die
zwei Hauptarme Damietta und Rosetta durch das Delta
fließt, gab es in vergangenen Zeiten drei Hauptrinnen,
bekannt als das Pre-, Ptah- und Amunwasser. In griechisch-romanischer
Zeit wurden diese Flussarme Pelusiac, Sebennytic und
und Canoptic genannt. Weiterhin gab es untergeordnete
und als künstliche Kanäle angelegte Flussarme.
Ein
besonderes Merkmal des Deltas sind die sandigen Erdhügel
aus Lehm und Schlick die zwischen 1 bis 12 Meter aus
ihrer Umgebung herausragen. Da diese Erdhügel
nicht überflutet wurden, waren sie ideale Standorte
für Siedlungen in Zeiten der Vor- und Frühdynastie
des alten Ägyptens. Tatsächlich wurden Beweise
für eine Besiedelung durch Menschen gefunden.
Vielleicht haben diese Erdhügel auch den damals
üblichen Glauben bestärkt, dass die gesamte
Schöpfung auf einem Erdhügel begann, der
aus den anfänglichen Nun-Gewässern emporstieg
(Pyramidentext 600).
Es gab einige goße Oasen in der
westlichen Wüste, die 2/3 Gesamtägyptens
einnahmen: Fayoum, wo während der Periode des
Mittleren Königreiches die Hauptstadt ganz Ägyptens
lag und das zu einem der dicht besiedeltsten und landwirtschaftlich
produktivsten Bereiche wurde, Bahriya, wo viele Sarkophage
aus griechisch-römischer Zeit gefunden wurden,
die sogenannten „Goldenen Mumien“, Kharga
und Dakhla, die für ihre hervorragenden Weine
bekannt waren und die Oase Siwa, deren Amun-Orakel
von Alexander dem Großen aufgesucht wurde, um
zu beweisen, dass er der wahre Nachfolger des ägyptischen
Herrschertums war.
Die östliche Wüste wurde bereits
zu Zeiten der Paharaonen wegen ihrer reichen Mineralienvorkommen
ausgebeutet.
Schon allein die Nennung des Nils
lässt vor den Augen der Menschen heute Bilder
von Pyramiden, großen Tempeln, fantastischen
Legenden und Mumien und geheimnisvollen Schätzen
entstehen. Aber der Nil präsentiert auch das
Leben an sich für alle Menschen in Ägypten,
denn erst der Fluss machte das Leben für hunderttausende
Menschen und Tiere überhaupt möglich und
formte jene Hochkultur, die wir heute erst beginnen
wirklich zu verstehen.
Der Fluss bestimmte jeden Lebensbereich
mit Symbolismus. In der
Religion z.B. glaubte man, dass der Schöpfer-
und Sonnengott Ra (Re) den Himmel täglich in
einem Boot kreuzte (vergleichen Sie dies nun mit den
Griechen und Römern, deren Sonnengott den Himmel
mit einem von feurigen Rossen gezogenen Triumphwagen
durchquerte). Der Gottheit Hapy (Hapi), die den Nil
selbst personifizierte wurden Hymnen gesungen, die
Hapys Großzügigkeit gegenüber den
Menschen priesen und natürlich gab es regelmäßige
Opfergaben. Wie schon erwähnt, glaubte man, dass
die Schöpfung aus einem der Erdhügel des
Nils und dem umgebenden Wasser emporstieg. So sind
im mysthischen Gauben auch Flusstiere zu Gottheiten
aufgestiegen, wie wir es im Fall des Nilpferdes, in
der Form der Göttin Tawaret, dem Krokodil als
Gott Sobek und sogar dem Frosch als Heket sehen. Diese
Gottheiten galten als machtvoll für den Prozess
der Befruchtung und Geburt. In vielen Schriften findet
sich die Vegetation des Flusses mit Blumen- und Pflanzenmotiven
wie Lotus und Papyrus wider. In der Architektur wurde
mit der Konstruktion der Tempel die Form der typischen
Erdhügel nachempfunden, sowie Wellen des Flusses
von unten bis oben die Hauptsäulen und weitere
ähnliche Motive die Wände zierten. Auch
prägte der Nil früheste Reiseunternehmungen
der Menschheit, Modelle für Boote wurden gefunden,
die auf das 5. Jahrtausend vor Christus zurückdatieren.
Von frühesten Zeiten an trat
des Wasser des Nils, durch Monsunregen in Äthiopien
gestiegen, über die Ufer und überschwemmte
zwischen Juni und September der heutigen Kalenderrechnung
die Flussauen. Schon in antiken Zeiten wurde ein Nilometer
benutzt, um den Pegel des Nilwassers zu messen. Es
bestand normalerweise aus einer Serie von Stufen an
denen man das Hochwasser und den normalen Pegel messen
konnte. Einige der alten Nilometer gibt es heute noch
am Philae-Tempel, an der Grenze zwischen Ägypten
und Nubien, in Edfu, Esna, Kom Ombo und Dendera, sowie
das bekannteste Nilometer auf der Elephantine Island
bei Assuan.
Der altägyptische Kalender
bestand aus 12 Monaten mit je 30 Tagen und war in
drei Jahreszeiten, basierend auf den Zyklen des Nils,
unterteilt. Diese Jahreszeiten waren ‚akhet’,
die Überflutung, ‚peret’, die Reifezeit
und ‚shemu’, die Trocken- oder Erntezeit.
Während der Jahreszeit der Überflutungen
durch Hochwasser wurden Schichten von fruchtbarster
Erde über die Auen verteilt. Chemische Analysen
haben die große Fruchtbarkeit des Nilschlamms
bewiesen. Er enthält etwa 0,1% Stickstoff, 0,2%
Phosphorpentoxid und 0,6% Kalium.
Da die meisten Ägypter Farmer
waren, wurden sie während der Zeit der Überflutungen,
die ihre Arbeit unmöglich machten, zu Zwangsarbeit
für den Bau der Pyramiden, der
Königsgräber, anderer Monumente und für
Tempelreparaturen herangezogen.
Der große griechische Philosoph
Herodot schrieb über
den Nil: „Der Fluss steigt über sich selbst
hinaus und bewässert die Felder, sinkt dann wieder
ab. Dann trägt jedermann die Saat auf´s
Feld und wartet einfach auf die Ernte.“ Der
Philosoph nannte Ägypten auch das Geschenk des
Nils. Die Beschreibung veranlasste die Leser, sich
Ägypten als ein großes Paradies vorzustellen,
in dem die Menschen einfach sitzend darauf warteten,
dass die Saat- und Erntezeit käme. Aber die alten
Ägypter selbst wussten es natürlich besser.
Eine zu hohe Flut des Flusses konnte ganze Städte
zerstören, und Niedrigwasser machte das Land
zu Staub und brachte Hungersnöte. Und tatsächlich,
eine von fünf Fluten war entweder zu hoch oder
zu niedrig.
Eine berühmte steinerne Inschrift,
Famine Stela genannt, die auf die ptolomeische Zeit
zurückdatiert, berichtet von einer Gelegenheit
(ob real oder fiktiv ist nicht sicher bekannt) aus
der Periode des Herrschers Djoser während der
3. Dynastie. Der Herrscher schreibt an einen Statthalter
im Süden und bezeichnet sich selbst als entmutigt
über eine siebenjährige Hundersnot. Von
einem Priester Imhoteps wird der Herrscher angewiesen,
Gesckenke und Opfergaben zum Tempel des Khnum, des
Schöpfergottes der Region, zu bringen, dem die
Kontrolle über den Nil und seine Fluten zugesprochen
wurden, um die verheerende Hungersnot sicher zu beenden...
Heute buchen
viele Urlauber in Ägypten eine Nilkreuzfahrt
als Teil eines Reisepaketes. Und tatsächlich
ist es, um Ägypten so zu sehen und tatsächlich
zu begreifen, wie es die Einheimischen tun, nahezu
unerlässlich auf dem Nil zu reisen. Oft ist dabei
auch die traditionelle Felukke - wie zu alten Zeiten
- das gewählte Transportmittel auf dem Strom.
Der Nil floss früher während der Hochwasserzeit
mit gut vier Knoten von Süd nach Nord, das Wasser
war durchschnittlich zwischen 7,5 -10m tief und die
Fahrt auf dem Wasser ging zügig voran. Eine Reise
auf dem Fluss von Theben (dem heutigen Luxor) gen
Norden bis nach Memphis (nah bei dem heutigen Kairo)
dauerte ca. zwei Wochen. Während der Trockenperiode,
wenn weniger Tiefe vorhanden war und der Strom sich
langsamer bewegte, beanspruchte diese Route bis zu
zwei Monaten. An der großen Flussbiegung bei
Qeng ging es erst von West nach Ost und dann zurück
von Ost nach West, was die gesamte Reise erheblich
verlangsamte. Nachts musste die Reise unterbrochen
werden, um nicht wegen fehlender Sicht auf einer der
vielen Sandbänke auf Grund zu laufen oder mit
einer der Nilinselchen zu kollidieren.
Wer heute eine Kreuzfahrt auf
dem Nil macht, erlebt die antiken und legendären
Sehenswürdigkeiten Altägyptens, wie Karnak
und das gegenüber auf der anderen Uferseite
gelegene Luxor, Dendera mit dem großen Hathor-Tempel,
Abydos mit dem phantastischen von Seti I. errichteten
Tempel und den Gräbern der frühen Dynastie.
Esna mit dem Tempel zu Ehren von Khnum, dem Schöpfergott
der Region, dem man die Kontrolle über den Nil
und seine Reichtümer zusprach. Edfu mit dem Horus-Tempel,
Kom Ombo mit dem Doppeltempel für Sobek und eine
weitere, Haroeris genannte Verkörperung des Horus
und schließlich Assuan mit dem beeindruckenden
High Damm.
Assuan,
Ägyptens sonnenreichste, ehemalige südiche
Grenzstadt liegt ca. 130 km südlich von Luxor
und bietet ein ganz besonderes, unverwechselbares
afrikanisches Ambiente. Der altägyptische
Name war Syene. Klein genug, um alles zu Fuß
zu erkunden und gesegnet mit einer wunderschönen
Lage am Nil, herrscht hier ein langsamer und relaxter
Lebensrhythmus vor. Die Tage können mit einem
Bummel über die breite Corniche und beim
Anblick der in den blauen Himmel ragenden Segel
der Boote oder in einem der schwimmenden Restaurants
beim Genuss von frisch gefangenem Fisch zu nubischen
Klängen verbracht werden.
Bei Assuan präsentiert sich der Nil von seiner
schönsten Seite. Friedlich fließt er
durch bernsteinfarbene Wüstenlandschaften
und bizarres Granitgestein, vorbei an mit Palmenhainen
und tropischen Pflanzen bewachsenen Smaragdinseln.
Entdecken Sie die Souks, die Märkte voller
Duft und Farben, mit Gewürzen, Parfums, bunten
Stoffen und Körben. Genießen Sie die
Sonnenuntergänge beim Tee auf der Terrasse
des Old Cataract Hotels (der Name geht auf den
1. Katarakt, die 1. Stromschnelle des Nils zurück,
die hier liegt). Assuan war schon zu Beginn des
19. Jhd. ein bevorzugtes Winter Ressort –
und ist auch heute noch ein idealer Platz, um
dem Alltag zu entfliehen.
Assuan, aufgrund seiner strategisch wichtigen
Lage auch gegenwärtig noch Standort einer
Garnison der ägyptischen Armee, beherbergte
schon zu längst vergangenen Zeiten ägyptische
Garnisonen, wie auch die des Generals Kitchener,
türkischer Truppen des Osmanischen Reiches
oder natürlich auch der Römer.
Die Stadt liegt sehr schön am Ostufer des
Nils. Hier können Sie relaxen und einige
Moscheen besuchen, um sich so auf weitere Unternehmungen
vorzubereiten. Der Bazar zieht sich die Corniche
entland, die an den Ferial Gardens und dem Nubischen
Museum verläuft und bis zum Friedhof weiterführt,
mit seinem Wald aus mit Kuppeln geschmückten
Gräbern aus der Periode der Fatimiden. Gleich
östlich des Friedhofs, bei der berühmten
Steinbruchzone steht der Unvollendete Obelisk.
Südlich davon ragen zwei griechisch-romanische
Sarkophage und ein unvollendeter Koloss halb aus
dem Sand.
Gut sichtbar ist Elephantine Island, mit ihren
Artefakten, die alle Zeiten von der Vordynastie
bis heute überdauerten. Es ist die größte
Nilinsel dieser Region. Gleich jenseits von Elephantine
liegt Kitchener´s Island (Geziret el-Nabatat).
Benannt wurde diese Insel nach dem britischen
General Horation Kitchener, der 1883 zur Neuorganisation
der ägyptischen Armee nach Ägypten entsandt
wurde, die er dann gegen die sudanesischen Mahdi
anführte. Aber eigentlich bekannt ist die
Insel für ihre Gärten und exotischen
Pflanzen, die Kitchener hier anlegte und pflegte
und die bis zum heutigen Tage prachtvoll blühn.
Am gegenüberliegenden Westufer, überragt
das Grab des Marabut Qubbet el-Hawwa, eines örtlichen
Heiligen, die Klippen. Darunter liegen Gräber
lokaler (pharaonischer) Adliger und Würdenträger.
Ein Stück flussaufwärts sehen Sie das
Grab des 1957 verstorbenen Mohammed Shah Aga Khan.
Einfach als „Aga Khans Grab“ bekannt,
ist das Monument besonders schön in seiner
Einfachheit. Von dort führt die Route zurück
zum koptischen Kloster des Heiligen Simeon, das
im 6. Jhd. zu Ehren des lokalen Heiligen Amba
Hadra erbaut wurde.
Ein weiteres Stück flussaufwärts liegt
der alte, von den Briten gebaute Assuan Damm,
der vergrößert und erweitert wurde,
aber für die Kontrolle der Nilfluten nicht
ausreichte.
Luxor wird oftmals als das
‘größte Open-Air-Museum’
der Welt bezeichnet – mit Recht und es
ist noch viel mehr. Die Anzahl der bis heute
erhaltenen antiken Monumente in und um Luxor
ist einzigartig und kein weiteres Mal auf der
Welt zu finden. In der Aktualität wird
Luxor in drei verschiedene Zonen unterteilt:
die Stadt Luxor am Ostufer des Nils, die alte
Stadt Karnak gleich nördlich von Luxor
und schließlich Theben, von den Altägyptern
Waset genannt, welches gegenüber von Luxor
auf der Westseite des Nils liegt.
Luxor als eine der Hauptattraktionen des heutigen
Ägyptens zu bezeichnen, wäre noch
untertrieben. Der Ort war schon seit Anbeginn
des Tourismus eine Reisedestination, denn bereits
in der Antike, während des späten
Herrschertums der griechischen und römischen
Perioden, lockte diese Region Besucher an und
tut dies auch heute noch. In der Gegenwart ist
Luxor natürlich mit zahlreichen Hotels
bestmöglich für die Unterbringung
der internationalen Gäste ausgestattet.
Dazu kommen jegliche, weitere touristische Leistungsangebote,
um die Besucher aus aller Herren Länder,
die jährlich diesen Teil des Niltals bereisen,
bestens zu versorgen.
In Luxor selbst gibt es drei Hauptstraßen:
die Sharia al-Mahatta, Sharia al-Karnak und
die Corniche, die direkt am Nil verläuft.
Sharia al-Mahatta liegt vor dem Bahnhof und
führt vom Nil zu den Gärten des Luxor-Tempels.
Sharia al-Karnak, oder auch Maabad al-Karnak
(Karnak-Tempel-Straße) genannt, verläuft
entlang des Nils vom Luxor- zum Karnak-Tempel.
Da, wo Sharia al-Karnak auf die Sharia al-Mahatta
trifft, ist die Straße als Sharia al-Markaz
bekannt und im südlichen Teil, beim Tempel
ist sie als Sharia al-Lokanda bekannt. Entlang
der ganzen Straße sieht man bunte Schilder
von Restaurants und Cafés, sowie die
Bazare mit einer Auswahl der typischen, ägyptischen
Souvenirs. Interessant ist vielleicht der im
Überfluss vorhandene Alabaster, den man
am Westufer, nicht weit von hier findet. Schauen
Sie ebenfalls nach den von den Einheimischen
hier auch heute noch zum Kochen genutzten Tontöpfen,
die es seltener gibt.
Das heutige Luxor hat rund 150.000 Einwohner
und wird gemäß spezieller Statuten
regiert, die der Stadt mehr Autonomie als
anderen Regionen des Landes verleihen. Es
wird Ihnen möglicherweise auch auffallen,
dass viele Regierungs- und andere Gebäude
gemäß dem „altägyptischen“
Baustil konstruiert sind. Besonders die Ägypische
Nationalbank (nahe dem Winterpalast), das
Spa-Bad südlich der Polizeistation und
der Bahnhof sind Gebäude, die im Stile
pharaonischer Monumente gebaut wurden. Dies
geschah vor allem im Zuge der sogenannten
„Ägyptisierung” der modernen
Stadt, die mit der wahnsinnigen Euphorie nach
Howard Carters Entdeckung des Grabes von Tutanchamun
einherging. Die Stadt bietet heute sämtliche
Annehmlichkeiten, die sich ein Besucher nur
wünschen mag, einschließlich zahlreicher
Hotels, Bars, Nachtclubs und Restaurants.
Im eigentlichen Luxor auf der Ostseite, sollte
einer der ersten Besichtigungspunkte der von
Amenophis III. erbaute Luxor-Tempel sein.
Folgen Sie der Sharia al-Karnak südlich
bis zum Tempel, der über eine lange steinerne
Prozessionsallee mit dem Karnak-Tempel verbunden
war. Diese Prachtallee wurde von Nektanebes
I. errichtet und war ursprünglich an
beiden Seiten von Sphinxen gesäumt. Vor
dem Luxor-Tempel ist ein Teil der Allee noch
gut erhalten und auf dem Weg zum Eingang passiert
man eine römische Kapelle aus gebranntem
Zurückstein, die dem Gott Serapis gewidmet war
und während der Herrschaft des Hadrian
erbaut wurde. Ein kleiner Weg führt zur
Nilseite des Tempels, wo man den Komplex schließlich
betreten kann.
Beim Verlassen des Luxor-Tempels gehen Sie
zurück zur Sharia al-Karnak und folgen
dieser nördlich in Richtung Karnak. In
der Nähe der Polizeistation sehen Sie
El-Mekashkesh, die älteste Moschee von
Luxor. Hier ruhen die Überreste eines
Heiligen aus dem 10. Jhd., von dem die Legende
erzählt, er sei ein Mönch gewesen,
bevor er zum Islam konvertierte. Die Moschee
ist eine beliebte Pilgerstätte. Hier
finden Sie auch die Franziskanerkirche und
ihre Schulen, jeweils eine für Jungen
und eine für Mädchen. Dahinter liegt
die große koptische Basilika.
Gehen Sie an der Polizeistation in Richtung
Nil und Corniche. Hier finden Sie, gegenüber
des Mina Palace Hotels, das Mummification
Museum, in dem Sie einfach alles über
Mumien erfahren. Danach geht es nördlich
weiter in Richtung Karnak.
Auf halbem Wege nach Karnak sehen sie das
Luxor Museum (das Bild links zeigt eine Steinstatue
des Iamu Negh aus dem Luxor Museum), das natürlich
besucht werden sollte, wenn es Ihnen um ein
komplettes und lehrreiches Erlebnis geht.
Da es sich um ein kleineres Museum handelt,
stammen die meisten der Relikte aus der direkten
Umgebung und geben so ideal Einblick und Hintergrund
zu den Monumenten, die Sie besuchen werden.
Gehen Sie vom Museum aus zurück auf
die Sharia al-Karnak und folgen ihr nördlich
weiter nach Karnak. Nach Überqueren einer
kleinen Brücke erblickt man die Ausgrabungen
der ursprünglichen Allee, die durch eine
kleine Siedlung führt. Ein Stück
weiter passieren Sie die Ruinen des Mut-Tempels,
wo eine weitere Allee zum zehnten Pylon führt.
Die Route bringt Sie dann weiter zu den Grabgewölben
der beiden Heiligen, Sidi Ahmed und Sidi Ali,
wo eine Straße hinter dem Department
of Antiquities schließlich zum Haupteingang
des Karnak-Tempels führt. Diese Straße
ist an einem Kanal gebaut, der einst Nil und
Tempel verband. Zu antiken Zeiten gab es hier
ein Dock, jetzt ist nur noch ein Anleger vorhanden.
Gleich dahinter liegt das römische Dock
aus rotem Zurückstein und es folgen zwei gepflasterte
Rampen zum Flussufer. Sie waren von Steinwällen
umgeben und stammen aus der Herrscherzeit
von Taharqa. Dann folgt die Achoris-Kapelle,
die das heilige Boot von Amun während
bedeutender Zeremonien aufnahm.
Um zum Eingang zu kommen, folgen sie einfach
der Sphinxenallee. Die Figuren haben Widderköpfe
und Löwenkörper und symbolisieren
den Gott Amun. Bei Ankunft am Tempel erblicken
sie eine Statue von Ramses II. mit seinem
Sohn zwischen den Füßen.
Rechts findet sich eine Konstruktion aus roten
Stufen, einer roten Kolonnaden-Front und Wänden
aus rotem Zurückstein. Im Inneren stehen Sockel
deren Inschriften die Namen römischer
Herrscher erkennen lassen, deren Statuen sie
einst trugen. Es handelt sich hierbei um eine
römische Kapelle, die der Herrscherverehrung
diente. Wenn Sie den Tempelkomplex verlassen,
liegt links das Franco-Ägyptische Center,
das die Tempelanlage seit 1967 verwaltet.
Unterhalb, am Nilufer liegt das Centre National
de la Recherche Scientifque, oder CNRS, in
dem das French House untergebracht ist und
das Chicago House, ein Projekt der Universität
von Chicago, liegt ebenfalls hier.
Nach diesen Besichtigungen bietet sich eine
Bootstour hinüber zum Westufer an. Dieses
Übersetzen hatte für die Altägypter
eine besondere Bedeutung, da nach ihrem Glauben
der Weg in den Westen mehr den Weg ins ewige
Leben, als ins Totenreich der Nekropolis bedeutete.
Beginnen Sie mit dem Tal der Könige,
mit den Gräbern aus der 18. und 19. Dynastie.
Außerhalb des Tales führt die Straße
nach Antef, so benannt nach dem Hohepriester
der 11. Dynastie, der hier beigesetzt wurde.
Einige Gräber sind noch sichtbar, wenn
man weiter dem Weg zum Tempel von Sethos I.
folgt. Das meiste, was vom Sethos-Tempel übrig
blieb, ist im Grunde der Blick. Den Hof betritt
man durch die Ruinen eines Säulenportals.
Im südlichen Teil des Hofs sieht man,
was sonst vom Tempel übrig geblieben
ist. Die Straße führt dann weiter
gen Süden zur Dra-Abu el-Naga Nekropolis.
Der Straßenverlauf nimmt dann eine Richtung
nach Westen bis sie das Tal von Asasif erreicht.
Hier liegen die Gräber der 25. und 26.
Dynastie. Am Ende des Asasif-Tals liegt am
Fuße eines Felsens namens Deir el-Bahri
ein spektakulärer Tempelkomplex. Hier
sind in jedem Fall die Tempel von Mentuhotep
II., Hatschepsut und Tuthmosis II. zu besichtigen.
Ein Großteil der Architektur wirkt hier
vor den krönenden Felsen im Hintergrund
besonders imposant und machtvoll. Von hier
aus führt die Route vorbei an den Ruinen
der Tempel von Ramses IV. Und Thutmoses III.,
bis zur Nekropolis Sheikh Abd el-Qurna. Und
dann kommt man zum berühmten ‚Ramesseum’,
errichtet von Ramses II., einem riesigen Komplex
der immer noch unvollendet scheint.
Nachdem die Tour weiter an den Resten der
Tempel von Thutmosis IV, Merneptah, Eje und
Horemheb vorbei führt, kommt man schließlich
zu einem weiteren Sightseeing-Highlight, das
zu den Hauptattraktionen West-Thebens zählt,
einem großen Komplex, bekannt als Medinet
Habu. Das Portal besteht aus viereckigen Türmen
und wirkt nahezu orientalisch. Hinter der
Anlage liegt die Arbeiterstadt Deir el-Medina.
In der Nähe stehen auf freier Fläche
die Memnoskolosse, seit jeher eine der touristischen
Hauptattraktionen Ägyptens. Südwestlich
von Deir el-Medina liegt das Tal der Königinnen,
wo Königinnen der 18. und 19. Dynastie
bestattet wurden.
Und nocheinmal geht es im Straßenverlauf
weiter, vorbei an den Lehmziegelresten des
Palastes Malkatta von Amenhotep III.. Östlich
davon liegt ein See und am anderen Ende davon
ein kleiner römischer Tempel, namens
Deir Shelwit, der aus dem ausgehenden 1. Jhd.
stammt.
Die
beiden Tempel von Abu Simbel gehören nicht
nur ohnehin zu den wunderbarsten Monumenten der
Welt, zusätzlich war auch das Versetzen und
die Rekonstruktion der gesamten Anlagen ein historisches
Ereignis an sich. Als die Tempel (280 km von Assuan
entfernt) durch den Bau des High Damms am Nassersee
von der Überflutung bedroht waren, sicherte
sich die ägyptische Regierung die Unterstützung
der UNESCO und startete einen weltweiten Aufruf.
Während der Rettungsaktion, die 1964 begann
und bis 1968 andauerte, wurden die Tempel komplett
abgebaut und 60 m weiter hoch in den Sandsteinfelsen
wieder aufgebaut, wo sie über 3.000 Jahre
zuvor konstruiert worden waren. Hier wurden sie
in exakt der gleichen vorherigen Position zueinander
und zur Sonne wieder in einen künstlichen
Berg hinein zusammengesetzt.
Die meisten Fugen im Stein wurden mittlerweile
von Experten antiker Bauweise fachgerecht gefüllt,
aber im Inneren der Tempel kann man immernoch
sehen, wo die Blöcke einst geschnitten wurden.
Im Inneren der erbauten Kuppel können Sie
auch eine Fotoausstellung besuchen, die die verschiedenen
Arbeitsschritte des gigantischen Rettungsprojektes
dokumentiert.
Von Abu Simbel wurde erstmals durch J.L. Burckhardt
im Jahre 1813 berichtet, als er über die
Berge kam und hier, wo er sich bereit zum Aufbruch
über den Nil machen wollte, die Fassade des
großen Tempels erblickte. Von da an wurde
der Trip zu den beiden Tempeln, dem von Ramses
II der in erster Linie Re-Harakhte ehrte und der
seiner Frau Nefertari, der Hathor gewidmet war,
für viele zu einem „Muss“ während
des Besuches in Ägypten, auch wenn die Reise
einen längerwierigen Trip den Nil aufwärts
nötig machte, und die Monumente oftmals durch
Verwehungen so tief im Sand versunken waren, wie
zu dem Zeitpunkt ihrer Entdeckung durch Burckhardt.
Edfu
war einst die griechische Siedlung Apollinopolis
Magna und seit jeher Handelsstadt sowie ein religiöses
Zentrum.
53 km südlich von Isna und 105 km nördlich
von Assuan gelegen, ist Edfu heute ein friedliches
Städtchen, in dem Zucker und Töpferwaren
hergestellt werden.
Der Ort liegt ebenfalls im Zentrum eines bedeutenden
Straßennetzwerkes, denn Edfu war die Hauptstadt
der zweiten Gaue (eine Bezeichnung f. Provinzen)
Horus im einstigen Oberägypten. Die wichtigste
Sehenswürdigkeit hier ist der Horus-Tempel,
der von vielen als der besterhaltenste Kulttempel
Ägyptens angesehen wird. Westlich des Tempels
gibt es eine große teilweise freigelegte
Geröllansammlung, die möglicherweise
von der antiken Stadt Djeba herrührt.
Die Stadt war bei den Altägyptern als
Tbot, bei den Griechen als Apollinopolis Magna
und schließlich während der koptischen
Periode als Atbo bekannt.
Sie war Hauptstadt der zweiten Gaue Oberägyptens
(Horus). Französische und polnische Ausgrabungsteams
konnten Teile der antiken Stadt freilegen und
fanden Mastabas-Bauten aus dem alten Königreich,
sowie byzantinische Häuser.
Dieser
Tempel aus der Zeit der Ptolemäer liegt in
Kom Ombo, gut 45 km nördlich von Assuan,
auf einer hohen Düne mit Blick über
den Nil. Der aktuelle Tempel wurde Anfang des
2. Jhds. v. Chr. von Ptolemeus VI Philometor begonnen.
Die äußeren Schutzwälle und Teile
des Hofes, die um 30 v.Chr. von Augustus errichtet
wurden, sind weitestgehend verschwunden. In der
direkten Nachbarschaft von Kom Ombo Stadt gibt
es ebenfalls Gräger des Alten Reiches.
Der als Kom Ombo bezeichnete Tempel besteht eigentlich
aus zwei Anlagen, nämlich einem Tempel für
Sobek und einem zweiten für Haroeris. In
alten Zeiten sonnten sich ganz in der Nähe
am Nilufer die als heilig verehrten Krokodile.
Vom Tempel gibt es verhältnismäßig
wenige Überreste, zum einen aufgrund des
geänderten Flussverlaufs des Nils, zum anderen
wegen der Kopten, die den Bau als Kirche nutzten
und schließlich weil Bauleute die Steine
für neue Gebäude abtrugen.
Alles wurde entlang einer Hauptaxe symmetrisch
doppelt gebaut. Es gibt zwei Eingänge, zwei
Höfe, zwei Säulengänge, zwei Hallen
und zwei Sanktuarien (Heiligenstätten). Möglicherweise
gab es sogar zwei Priesterschaften.
Die linke, nördliche Seite ist Haroeris (manchmal
auch Harer, Horus der Alte genannt), dem Himmelsgott
mit Falkenkopf gewidmet und die rechte Seite Sobek,
dem Gott mit Krokodilskopf. Beide Gottheiten sind
von ihren Familien umgeben. Neben Haroeris tauchen
seine Gemahlin Tesentnefert, was ‚Gute Schwester’
bedeutet und sein Sohn, Panebtawy auf. Sobek ist
ebenfalls in Begleitung, in diesem Fall von Hathor
und dem Sohn Khonsu.
Von dem ursprünglichen Pylon sind nur noch
die Fundamente vorhanden. Dahinter führte
eine Treppe vom Hof zu einer höher gelegenen
Terrasse. Im Hof gibt es einen Säulengang
und einen zentralen Altar. Eine Szene zeigt den
König mit Eskorte. In der Nähe der Heiligenstätte
gibt es einen rituellen Reinigungsplatz. An jeder
Seite des Portals sind Säulen, deren Inschriften
Zeichen des Lotus (Süd) und Papyrus (Nord)
zeigen, die die „beiden Länder“
Ägyptens symbolisieren.
In der südwestlichen Ecke des Pronaos (mit
Säulen ausgestatteter Vorraum) gibt es eine
Säule, die nicht der Dualität des Doppeltempels
entspricht. Szenen stellen hier die Reinigungszeremonie
des Königs, seine Krönung und die Einweihung
des Tempels dar. Die Decke schmücken astronomische
Motive.
In einer Kammer gibt es weitere Reliefs, die verschiedene
Plätze Ägyptens, die Götter der
wichtigsten Städte und lokale sowie nationale
Festlichkeiten zeigen.
In der symmetrisch dazu angeordneten Kammer zeigen
Relief-Szenen die Göttin Seschat bei der
Initiation des Tempelbaus, gefolgt von einer Szene
des fertiggestellten Tempels mit dem König,
der Natron für eine Reinigungszeremonie zerstreut.
Von der Opfergabenhalle sind nur noch die Treppen
zum Dach erhalten.
Statuen der Götter und der Tempel-Baumeister
füllten einst den Verbindungsraum direkt
vor den Sanktuarien, von denen noch ein paar Teile
erhalten sind. An anderer Stelle zeigt ein recht
gut erhaltenes Deckenrelief ein Bildnis der Gottheit
Nut.
Nubien liegt im heutigen Süden
Ägyptens und Norden Sudans. Auch die aktuellen
Einwohner Südägyptens und des Sudans
bezeichnen sich heute selbst weiter als Nubier.
Sie sprechen die nubische Sprache ebenso wie das
Arabische. Tausende Nubier aus dem Norden waren
zur Umsiedelung aus ihrem gefährdeten Heimatland
in ägyptische und sudanesische Gebiete gezwungen.
In Nubien herrschen mit die rauesten Klimabedingungen
der Erde. Über das ganze Jahr sind die Temperaturen
extrem hoch und Regenfälle sind äußerst
selten. Die nur schmalen Uferauen des Nils in
fast ganz Nubien machen jede Agrarwirtschaft besonders
schwierig. Und doch war in der Antike Nubien ein
Land großen, natürlichen Reichtums,
mit Goldminen, Ebenholz-, Elfenbein- und Weihrauchschätzen,
das bei seinen Nachbarn stets hoch angesehen war.
Nubien ist auch die Wiege von Afrikas frühester
schwarzer Kultur und einer Geschichte, die durch
nubische Monumente und Artefakte, sowie ägyptische
und römische schriftliche Aufzeichnungen
bis in die Zeit um 3.100 v. Chr. zurückverfolgt
werden kann.
Das Land Nubien besteht aus einer durch den Nil
zweigeteilten Wüste. Aus Mangel an Wasser
und fruchtbaren Böden konnte der größte
Teil Nubiens niemals eine größere Bevölkerung
über längere Zeiträume ernähren.
Aber doch sind einige der bedeutendsten Zivilisationen
Afrikas hier aus diesem Land hervorgegangen und
hier lagen Zentren für wichtige Errungenschaften
in den Bereichen Handel und Industrie. Da die
Menschen aus diesen Zentren ihre eigene Sprache
bis in recht späte Zeiten der Antike hinein
nicht niederschrieben, haben wir unser Wissen
über diese Kulturen durch die Archäologie
und aus Beschreibungen der Ägypter und Griechen
über sie erlangt.
In der antiken mediterranen Welt war das Land
im Süden Ägyptens ein Territorium
voller Mysterien und Legenden. Wohlstand und
exotische Produkte kamen von dort. Es war die
Heimat der Äthiopier, die der Dichter Homer
als unverdorben und friedvoll bezeichnete und
Geschichten über ihre großen Errungenschaften
waren ein steter Anreiz und überdauerten
bis in die moderne Welt. Das Land ist von enormen
Ausmaßen und seine Erforschung wurde lange
durch Transportprobleme und politische Unruhen
erschwert. Erst in den letzten 100 Jahren gab
Nubien langsam seine Geheimnisse preis, verschwundene
Völker, verlassene Städte und verlorene
Königreiche wurden erst durch Ausgrabungsarbeiten
und Analyse vieler Inschriften zu Tage gebracht.
Das Oriental Istitute Nubian Expedition sammelte
über die vergangenen 20 Jahre Objekte im
Bestreben, die archäologischen Schätze
vor den steigenden Fluten hinter dem Assuan
Damm zu retten und stellte diese aus:
In den 1960er Jahren, wurde bei Assuan in Ägypten
ein Damm gebaut. Es entstand ein 800 km langer
See, der antike Tempel und Gräber sowie
hunderte moderner Siedlungen in Nubien für
immer überflutete. Während der Bauzeit
für den Damm arbeitete eine Schar von Archäologen
in diesem Teil Ägyptens und im Sudan, um
so viele antike Stätten wie möglich
auszugraben. Das Oriental Institute arbeitete
von 1960-68 in Nubien. Heute sind die 5.000
nubischen Objekte der Ausstellung des Oriental
Institute Museums und zahlreiche Objekte in
weiteren Museen unsere einzige Quelle der so
reichen Zivilisation Nord-Nubiens, da die Original-Stätten
selbst unter den Gewässern des Nassersees
begraben liegen. Im südlichen Nubien hingegen
arbeiten auch heute weiterhin Expeditionen aus
vielen Ländern an der Bergung und Erforschung
der legendären Schätze.
Der ägyptische Glaube, der besagt “den
Namen eines Toten auszusprechen, erweckt ihn
zu neuem Leben”, ist ganz sicher im Bau
der Königsgräber widergespiegelt.
Die formalen Namen und Titel der Herrscher finden
sich in den Grabinschriften, neben Abbildern
und Statuen der Pharaonen. Mit Beginn der 18.
bis zum Ende der 20. Dynastie verließen
die Könige die Region um Memphis und bauten
ihre Gräber in Theben. Ebenfalls gab man
die Pyramidenbauweise auf. Die meisten Gräber
wurden nun in den vorhandenen Kalkstein der
Felsen gehauen, wobei ein ähnliches Muster
sich stets wiederholte: drei Korridore führen
in eine Vorkammer und diese in eine abgesunkene
Grabkammer.
Diese Katakomben waren schwerer auszurauben
und leichter zu versiegeln. Die Texte in den
Gräbern stammen aus dem Buch des Todes,
dem Buch der Tore und dem Buch der Unterwelt.
Sehen Sie auch Geschichte und Überblick
zum Tal der Könige.
Ramses IV
Drei breite Korridorgänge führen hinab
ins Grab und zur Sarkophagkammer. An der Decke
der Kammer ist die Göttin Nut dargestellt.
Der Deckel des Sarges aus rosa Granit ist mit
Isis- und Nephthysmotiven dekoriert, die als
Wächter über den Körper fungierten.
Sie kamen ihrer Pflicht nur kuz nach, da das
Grab bereits im Altertum ausgeraubt wurde. Ursprünglich
stellten die Priester, um den Körper zu
verstecken, den Sarkophag in das Grab von Amenophis
II., was eine übliche Praxis war.
Ramses IX
Zwei Treppenabgänge führen zur Türe
des Grabes, die ein Abbild des Pharaos als Sonnenanbeter
zeigt. Hinter ihm stehen jeweils an den Seiten
Isis und Nephthys. Drei Korridore führen
zu einer Vorkammer, die sich zu einer Säulenhalle
hin öffnet. Der Gang dahinter führt
zur Grabkammer mit dem Sarkophag.
Merneptah
Der steile Abstieg in das Grab ist typisch für
die Grabbauweise der 19. Dynastie. Der Eingang
ist mit Isis und Nephthys bei der Anbetung der
Sonne dekoriert. Textzeilen aus dem Buch der
Tore verlaufen entlang der Korridorwände.
Der äußere Granitdeckel des Sarges
wurde in der Vorkammer plaziert, während
sich der Deckel des eigentlichen, inneren Sarkophags
weitere Stufen weiter unten in der Säulenhalle
befindet. In den rosa Granitdeckel ist die Figur
Merneptahs als Osiris graviert.
Ramses VI
Ursprünglich für Ramses V gebaut,
hat dieses Grab drei Kammern und eine vierte
Säulenkammer, die von Ramses VI hinzugefügt
wurde. Komplette Texte aus dem Buch der Tore,
dem Buch der Höhlen und dem Buch von Tag
und Nacht finden sich an den Wänden. In
der Säulenkammer stehen Teile des Buchs
des Todes neben Szenen, welche die Himmelsgöttin
Nut darstellen.
Ramses III
Dieses Grab wird manchmal auch als das “Harfenspieler-Grab”
bezeichnet, da in vier Kammern verschiedene
Motive jeweils zwei Harfenspieler zeigen, die
zu den Göttern spielen. Zehn kleinere Kammern
zweigen von den Hauptkorridoren ab, die der
Aufbewahrung der Objekte für die Grabeinrichtung
dienten.
Sethos I
Das mit 100m längste Grab des Tals der
Könige enthält viele gut erhaltene
Reliefs in all seinen 11 Kammern und Seitenräumen.
Eine der hinteren Kammern ist mit dem Ritual
der „Mundöffnung“ dekoriert,
das dafür sorgen sollte, dass die für
das Trinken und Essen verantwortlichen Organe
der Mumie weiter funktionierten. Wegen des Glaubens
an die Notwendigkeit dieser Funktionen für
das Leben nach dem Tode, war dies ein äußerst
bedeutungsvolles Ritual. Der Sarkophag befindet
sich heute im Sir John Soane Museum in London.
Tuthmoses III
Der Zugang zu diesem unüblichen Grab ist
ein hölzerner Treppenaufstieg, der über
einer Grube verläuft, um erst dann hinab
ins Grab zu führen. Die Grube war möglicherweise
zur Abwehr von Grabräubern gedacht. Zwei
kleine, mit Sternen geschmückte Kammern
und ein größerer Vorraum liegen vor
der Grabkammer, die ungewöhnlich rund und
in rot und schwarz dekoriert ist.
Amenhotep II
In diesem Grab führt eine steile Treppenflucht
und ein undekorierter Korridor zur eigentlichen
Grabkammer. In einem Seitenraum fand man die
drei Mumien von Tuthmoses IV, Amenhotep II und
Sethos II, in einem anderen Raum neun weitere
Mumien.
Horemheb
Die Konstruktion dieses Grabes ist, mit Ausnahme
einiger Innendekorationen, identisch zu der
der Ruhestätte von Sethos I.
Tutanchamun
Obwohl klein und nicht wirklich beeindruckend
ist das Grab des Tutanchamun aufgrund der späten
Entdeckung wohl das berühmteste aller Gräber
in diesem Tal. Die Beschreibung von Howard Carter
über die Graböffnung im Jahre 1922
lautete: “Zunächst konnte ich gar
nichts sehen, da die heiße Luft, die der
Grabkammer entwich, die Kerzen zum Flackern
brachte, aber dann, als meine Augen sich langsam
an das schummrige Licht gewöhnt hatten,
tauchten Details aus dem Dunstschleier auf,
seltsame Tiere, Statuen und Gold – überall
das Strahlen von Gold. Für einen Moment,
der den Umstehenden wie eine Ewigkeit vorgekommen
sein muss, blieb ich vor Staunen stumm, und
als schließlich Lord Carnarvon, unfähig
die Spannung länger zu ertragen, aufgeregt
fragte ‚Können Sie irgendetwas sehen?’,
war alles, was ich herausbringen konnte: ‚Ja,
wundervolle Dinge’.“ Die königliche
Versiegelung an der Tür wurde intakt aufgefunden.
Die ersten drei Kammern waren vollkommen ungeschmückt,
sicher wegen des offensichtlichen, früheren
Eindringens durch eine der Außenwände.
Die nächste Kammer enthielt die meisten
der Einrichtungsgegenstände. Der Sarkophag
bestand aus vier goldverzierten, hölzernen
Schichten, jeweils einer in der anderen, unter
denen der steinerne Sarkophag verborgen lag,
mit wiederum drei mumienförmigen Schutzkästen,
von denen der innerste aus purem Gold die Mumie
selbst enthielt. An den Reliefs und am Sarkophag
selbst lässt sich eine gewisse Eile in
der Ausführung erkennen, wohl wegen des
Umstandes, dass Tutanchamun im sehr jungen Alter
von 19 Jahren nach nur kurzer Herrschaft verstarb.
Obwohl unglaublich beeindruckend für die
Nachwelt, verblassen die Schätze des Tutanchamun
daher doch gewaltig im Vergleich zu den Grabreichtümern
der großen Pharaonen, die über viele
Jahre des goldenen Zeitalters in Ägypten
herrschten.
Die auf dieser web-Site vorgestellten
Sehenswürdigkeiten sind nur ein Auszug der unzähligen
Gräber, Tempel und Monumente, die Sie während
Ihrer Nilkreuzfahrt besuchen können.